Heimatverein Schildesche

Das Jahr 1817 war geprägt von einer guten Ernte, aber einem schlechten Garn- und Leinenhandel. Dazu kam eine Reihe von Unfällen: mehrere Menschen ertranken.

m 20ten Mai diesen Jahres starb der hiesige catholische Pastor Johann Georg Soester und an dessen Stelle wurde Joseph Rhode aus Bielefeld unterm 24ten September anno ejus berufen, welcher im März des folgenden Jahrs sein Amt antrat.
Die Witterung war für die Korn- und Heuärnte sehr günstig. Alles ist gut, nur die Kartoffeln sind schlecht gerathen. Die Getraidepreise standen im Durchschnitt hoch, vom Mai bis Ende Juli waren sie etwas gesunken.
Der Garn- und Linnenhandel ging sehr schlecht. Die Leineweber behaupteten, dass ihnen für ein Stück Leinwand oft nicht mehr wohl aber weniger geboten würde, als von ihnen selbst für das dazu verbrauchte Garn bezahlt sei.

Im laufenden Jahre sind hier einquartirt gewesen:
1, vom 1ten bis 4ten Januar 75 Recruten nebst 1 Officier und 3 Unterofficieren.
2, am 15ten Januar 1 Unterofficier und 40 Mann vom 1ten Pommerschen Husaren-Regimente.
3, im Februar 2 Lieutenant, 10 Unterofficiere und 216 Mann Recruten.
4, am 21ten und 22ten Juli das 2te Bataillon vom 13ten Infanterie-Regiment.
5, am 27, 28 und 29 Juli die 7te Compagnie des 15ten Infanterie-Regiments.
6, im August vom 11ten Husaren-Regiment 1 Officier, 2 Unterofficiere und 24 Mann; von der 6ten Artillerie-Brigade 1 Unterofficier und 6 Mann und die erste Compagnie des 1ten Mindenschen Landwehr-Regiments.
Am 15ten Juni ist ein Soldat vom 13ten Infanterie-Regiment beim Baden ertrunken.

Am 25ten Julius ertrank der Ackerknecht Johann Friedrich Markmann.

Am 15ten August ertrank ein 3jähriges Kind.

Besonders feierlich wurde im Jahre 1817 zur 300. Wiederkehr der Reformationstag begangen. Eine früher oft verwendete Abkürzung in der offiziellen Behördensprache findet hier durch den Chronisten ihre Verwendung: et cetera p.p. „und so weiter, und so weiter, und so weiter“.

 

Am 31ten October diesen Jahres feierten wir das Reformationsfest. An diesem Tage war Gottesdienst und nach demselben Communion, woran 850 Menschen Theil nahmen. Die Prediger nahmen kein Beichtgeld, baten aber die Armen zu bedenken; es wurde auch nachher eine bedeutende Summe im Gotteskasten gefunden.
Am ersten November versammelten sich um 10 Uhr des Morgens die Schüler der hiesigen Hauptschule mit ihren Lehrern und zogen paarweise unter dem Gesange: „Sei Lob und Ehr’ dem Höchsten Gott“ et cetera p.p. von des Pastors Krönig Hause ab in die Kirche.

Die Schüler stellten sich dort in eine lange Reihe auf. Der Pastor Krönig erzählte - in einer Rede vor dem Altar - die Reformations-Geschichte. Die Verse des Liedes: „Eine veste Burg ist unser Gott“ et cetera p.p. wurden von den Schulkindern während der Rede gesungen. Nach der Rede wurde gesungen: „Nun danket alle Gott“ et cetera p.p. und mit dem letzten Verse verließen die Schüler singend die Kirche.

Die Abschrift erfolgte getreu dem Original.